Weitere Presseberichte:

an Herrn Stefan Bartscht, Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg und an das Ministerium für Umwelt Niedersachsen,
Frau Ingelore Hering, Nlwkn Lüneburg, Frau F. Köhne sowie an die  LZ mit der Bitte um Veröffentlichung im Leserforum:

Sehr geehrter Herr Bartscht,

Nun ist es soweit, Coca Cola schafft Fakten. Die genehmigte „Probebohrung“ für den 3. Brunnen von Coca Cola, aus dem nochmals 350 Tsd  Kubikmeter unseres kostbaren Grundwassers – für VIO-Flaschenwasser – gefördert werden sollen, hat begonnen – in Reppenstedt, direkt neben der Landwehr, einem denkmalgeschützten mittelalterlichen Zollwall mit wertvollem Baumbestand. Sie ist von Ihnen, dem Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg genehmigt worden. Sie haben dieser Genehmigung ein Gutachten zugrunde gelegt, das von Coca Cola in Auftrag gegeben wurde und Teil ihres Antrages ist. Ohne dass der Landkreis ein eigenes Gutachten angefertigt hat, sagen Sie heute(29.07.20) im NDR-Info-TV, dass Ihnen Unterlagen vorgelegt worden seien, aufgrund derer es keine Bedenken hinsichtlich schädlicher Wirkungen auf die Umwelt gäbe. Meinen Sie damit etwa das Gutachten von Coca Cola, das im Wesentlichen schon zu diesem Schluss kam und die Gefahr hydraulischer Löcher einzig in einem Halbsatz erwähnt? Die demgegenüber aktuellen Boden-Dürrekarten der Klimawirkungsstudie Niedersachsen von 2019 hätten Sie aber aufschrecken lassen müssen. Coca Cola meint auch, dass eine Probebohrung von 70 Tagen den Nachweis einer Unschädlichkeit erbringen könnte. Jeder, der die Geologie ein bisschen studiert hat, weiß, dass das nicht möglich ist. Die Fläche aus der in 195m Tiefe aus den Braunkohlesanden das Grundwasser gezogen wird ist 30 Quadratkilometer groß. Das reicht bis ans Lüneburger Stadtgebiet, das ohnehin mit den Auswirkungen der Soleentnahmen zu kämpfen hat. Haben Sie nicht selbst öffentlich gesagt (LZ vom 03.01.2018), dass erst die längerfristige Entnahme zeigen könne, welche Auswirkungen die Entnahme dieser Mengen Tiefen-Grundwassers haben könne. Wenn behördlicherseits eigene Messungen vorgenommen wurden, warum wird das nicht öffentlich kommuniziert. Und ist die Behörde nicht verpflichtet, auf die Nachhaltigkeit aller Vorhaben zu achten?Für die Bürger Lüneburgs bedeutete es zunächst, dass Coca Cola dann so viel Wasser entnähme, wie 17% der Lüneburger Bürger in einem Jahr verbrauchen! Und das zu einem Kubikmeterpreis von 9 Cent (0,09€) während die Bürger 1,31€ dafür bezahlen. Können Sie als Vertreter der Bürger so mit unserem Allgemeingut umgehen, dessen Vermögensverwalter Sie dem Wasserhaushaltsgesetz nach sind? Es gibt jede Menge Fragen besorgter Bürger, die sich von Ihnen nicht so informiert fühlen, wie Sie es nach dem Gesetz tun müssten.Es ist an der Zeit, dass Sie sich diesen Fragen öffentlich stellen! Mit freundlichen Grüßen
Marianne Temmesfeld- FÄ für Allgemeinmedizin – 

Nach Lektüre der gesamten Antragsunterlagen zum geplanten ViO-Brunnen reibe ich mir verwundert die Augen:
Offenbar schon am 28.5.2020 ist das als Pump-“Versuch“ deklarierte Vorhaben ohne Information der Öffentlichkeit genehmigt worden. Dieser Pumpversuch beinhaltet im Vorwege aber bereits die komplette technische Realisierung des gesamten Brunnenprojektes.

Im Einzelnen:
Gut 1 km nördlich Reppenstedt, direkt an der Landwehr, wird eine 195m tiefe Bohrung mit 1,20m Durchmesser (ab 30m Tiefe: 1m) angelegt. Sie reicht hinab bis in die sog. unteren Braunkohlensande des Grundwasserkörpers „Ilmenau Lockergestein links“. Das Wasser wurde durch das Institut Fresenius analysiert, es hat direkte Mineralwasserqualität, muss nur noch enteisent werden und enthält keinerlei anthropogene Spuren: Keine Rückstände von Antibiotika oder Pestiziden. Die darüberliegenden, dichten Deckschichten lassen vermuten, dass kein bodennäheres Grundwasser durch den Druckabfall während der Föderung nachsickern wird, sodass CocaCola davon ausgeht, beständig unbelastetes Grundwasser aus den tiefen Regionen fördern zu können.


Der „Versuch“ beinhaltet neben dem Bohrloch auch bereits den Bau der „Pumpenstube“, einer Art unterirdischem Haus direkt unter der Oberfläche. Dazu ist die Aushebung einer 12,5m x 12,5m großen und 3m tiefen Baugrube erforderlich. Während der Bauzeit muss das Grundwasser dazu abgesenkt werden. Später kommt dann noch ein Trafohäuschen dazu, die Verlegung einer Mittelspannungsstromleitung sowie einer Wasserleitung in die Goseburg zum Hauptsitz der Firma.


Eine Beteiligung der Öffentlichkeit für diesen Pumpversuch ist nicht vorgesehen, da man dem als „Experiment“ umschriebenen Vorhaben nicht schon jetzt den Charakter der Endgültigkeit geben möchte…


Ich halte das für Augenwischerei. Dieser Pumpversuch beinhaltet keine Probebohrung, sondern bereits die komplette technische Realisierung eines 195m tiefen Brunnens mit voller Fördermenge. Glaubt jemand allen Ernstes, dieser Pumpversuch wäre wirklich ergebnisoffen, könne scheitern, die gesamte Investition müsste zurückgebaut werden und wäre in den Wind geschrieben? Das beauftragte Gutachterbüro wird von Coca Cola selbst bezahlt.


Dieser sog. Pumpversuch schafft ein Präjudiz für das später ablaufende öffentliche Verfahren für den Weiterbetrieb der Förderung.


Ich frage mich: Wem nützt das ganze Vorhaben außer den Interessen eines internationalen Konzerns?

Hydrologen warnen schon, dass wir künftig eine andere Wassernutzung bekommen werden – das knapper werdende Gut muss dann zwischen der Trinkwasserversorgung, der Landwirtschaft, dem Naturschutz und der industriellen Nutzung nach neuen Prioritäten verteilen werden. Und jetzt noch dieser Brunnen?


Verwundert bin ich auch, dass beim Landkreis auf Nachfrage eingeräumt wird, berechtigte Einwendungen gegen den Pumpversuch könnten im Rahmen einer 4-wöchigen Frist erfolgen – doch man informiert die Öffentlichkeit nicht und bekommt auf Nachfrage keine belastbare Information über den offiziellen Beginn der Frist.


Erstaunlich weiterhin, dass der Eigentümer des in der Gemarkung Reppenstedt liegenden Flurstückes, auf dem gebohrt wird, gar nicht hier ansässig ist, sondern aus der Gegend um Hildesheim stammt. Wie wird hier mit Grund und Boden umgegangen?


Es scheint mir, dass die ganzen Vorgänge allerhand Stoff für einen investigativen Journalismus böten, der für die Lüneburger Öffentlichkeit von großem Interesse wäre.

Karsten Riggert
Lüneburg

Nach Lektüre der gesamten Antragsunterlagen zum geplanten ViO-Brunnen reibe ich mir verwundert die Augen:
Offenbar schon am 28.5.2020 ist das als Pump-“Versuch“ deklarierte Vorhaben ohne Information der Öffentlichkeit genehmigt worden. Dieser Pumpversuch beinhaltet im Vorwege aber bereits die komplette technische Realisierung des gesamten Brunnenprojektes.

Im Einzelnen:
Gut 1 km nördlich Reppenstedt, direkt an der Landwehr, wird eine 195m tiefe Bohrung mit 1,20m Durchmesser (ab 30m Tiefe: 1m) angelegt. Sie reicht hinab bis in die sog. unteren Braunkohlensande des Grundwasserkörpers „Ilmenau Lockergestein links“. Das Wasser wurde durch das Institut Fresenius analysiert, es hat direkte Mineralwasserqualität, muss nur noch enteisent werden und enthält keinerlei anthropogene Spuren: Keine Rückstände von Antibiotika oder Pestiziden. Die darüberliegenden, dichten Deckschichten lassen vermuten, dass kein bodennäheres Grundwasser durch den Druckabfall während der Föderung nachsickern wird, sodass CocaCola davon ausgeht, beständig unbelastetes Grundwasser aus den tiefen Regionen fördern zu können.


Der „Versuch“ beinhaltet neben dem Bohrloch auch bereits den Bau der „Pumpenstube“, einer Art unterirdischem Haus direkt unter der Oberfläche. Dazu ist die Aushebung einer 12,5m x 12,5m großen und 3m tiefen Baugrube erforderlich. Während der Bauzeit muss das Grundwasser dazu abgesenkt werden. Später kommt dann noch ein Trafohäuschen dazu, die Verlegung einer Mittelspannungsstromleitung sowie einer Wasserleitung in die Goseburg zum Hauptsitz der Firma.


Eine Beteiligung der Öffentlichkeit für diesen Pumpversuch ist nicht vorgesehen, da man dem als „Experiment“ umschriebenen Vorhaben nicht schon jetzt den Charakter der Endgültigkeit geben möchte…


Ich halte das für Augenwischerei. Dieser Pumpversuch beinhaltet keine Probebohrung, sondern bereits die komplette technische Realisierung eines 195m tiefen Brunnens mit voller Fördermenge. Glaubt jemand allen Ernstes, dieser Pumpversuch wäre wirklich ergebnisoffen, könne scheitern, die gesamte Investition müsste zurückgebaut werden und wäre in den Wind geschrieben? Das beauftragte Gutachterbüro wird von Coca Cola selbst bezahlt.


Dieser sog. Pumpversuch schafft ein Präjudiz für das später ablaufende öffentliche Verfahren für den Weiterbetrieb der Förderung.


Ich frage mich: Wem nützt das ganze Vorhaben außer den Interessen eines internationalen Konzerns?

Hydrologen warnen schon, dass wir künftig eine andere Wassernutzung bekommen werden – das knapper werdende Gut muss dann zwischen der Trinkwasserversorgung, der Landwirtschaft, dem Naturschutz und der industriellen Nutzung nach neuen Prioritäten verteilen werden. Und jetzt noch dieser Brunnen?


Verwundert bin ich auch, dass beim Landkreis auf Nachfrage eingeräumt wird, berechtigte Einwendungen gegen den Pumpversuch könnten im Rahmen einer 4-wöchigen Frist erfolgen – doch man informiert die Öffentlichkeit nicht und bekommt auf Nachfrage keine belastbare Information über den offiziellen Beginn der Frist.


Erstaunlich weiterhin, dass der Eigentümer des in der Gemarkung Reppenstedt liegenden Flurstückes, auf dem gebohrt wird, gar nicht hier ansässig ist, sondern aus der Gegend um Hildesheim stammt. Wie wird hier mit Grund und Boden umgegangen?


Es scheint mir, dass die ganzen Vorgänge allerhand Stoff für einen investigativen Journalismus böten, der für die Lüneburger Öffentlichkeit von großem Interesse wäre.

Karsten Riggert
Lüneburg

Welche Folgen hat die Grundwasserentnahme durch Coca Cola? Auch Vögelsen fordert Gutachten

Vögelsen/Bardowick. Erneut werden die Rufe lauter, der Landkreis Lüneburg solle ein „unabhängiges Gutachten“ in Auftrag geben, um die Konsequenzen der geplanten Grundwasserentnahme durch den Coca-Cola-Konzern bei Gut Brockwinkel zu untersuchen. Einer entsprechenden Resolution des Samtgemeinderates Bardowick schloss sich jetzt der Gemeinderat Vögelsen bei seiner jüngsten Sitzung an, das sagt Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge (SPD).

Wie berichtet, hat der Landkreis als Untere Wasserbehörde der Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands erlaubt, für einen Pumpversuch über 70 Tage maximal 118 000 Kubikmeter Grundwasser am neuen Brunnenstandort bei Gut Brockwinkel (Gemarkung Reppenstedt) aus rund 200 Metern Tiefe zu entnehmen. Die umgerechnet bis zu 118 Millionen Liter Wasser sollen ungenutzt in den Reppenstedter Bach „Kranker Hinrich“ eingeleitet werden. Der Testlauf ist Bestandteil des Genehmigungsverfahrens, ob der Produzent des Mineralwassers „Vio“ langfristig 350.000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr fördern darf – zusätzlich zu seinen Förderrechten auf Lüneburger Stadtgebiet.

Bei seiner Sitzung vergangene Woche beschloss der Samtgemeinderat Bardowick die Resolution an den Landkreis. Darin nimmt der Rat Bezug auf eine vorherige Resolution der Samtgemeinde von Ende 2017 und erneuert nun seine Forderung an den Landkreis „durch ein unabhängiges Gutachten feststellen zu lassen, welche langfristigen Auswirkungen die Wasserentnahme auf den entsprechenden Grundwasserleiter, insbesondere im Gebiet der Samtgemeinde Bardowick, bezüglich Menge und Qualität hat“. dth

Kein Wassermanagement?

Am Montag, den 13.07.20 fand im Gut Wienebüttel eine öffentlichen Kreistags-Sitzung statt. Wiederholt hatten die Grünen einen Antrag auf die Beratung eines Wassermanagementes eingebracht mit Unterpunkten, die sicher eines Rankings bedürfen. Dieser Antrag wurde wieder nicht zur Beratung im Kreistag angenommen mit der Begründung, dass dafür keine Personalkapazität da sei. Für das Umweltamt des Kreises ist hingegen Personalkapazität da, um den Antrag auf einen Brunnenbau zur Entnahme weiterer großer Mengen unseres kostbaren Trinkwassers durch eine Coca Cola–Tochter, Apollinaris-Brands zu genehmigen. Allerdings merkt man dieser Genehmigung an, dass diese auch nicht allzu viel Personalkapazität/Kompetenz gebunden haben kann. Das „Abbügeln“ eines dem Grunde nach gerechtfertigten Antrages auf ein Wassermanagement ohne Beratung zeigt, dass man im Kreistag die Glocken noch nicht gehört hat. Offenbar hat man dort auch nicht gehört, was der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) am 04.07.2020 angesichts des Trockenheitsberichtes des NLKWN  in der Sendung „Heute“ des ZDF gesagt hat : wir brauchen ein (anderes) Wassermanagement!

Für Interessierte:  https://www.podcast.de/episode/467876859/ZDF+heute+Sendung+vom+04.07.2020/ ab Minute 11.08

Mit freundlichen Grüßen

Marianne Temmesfeld    – Parteilos!

Alter Schulweg 3

21385 Rehlingen

Im Schatten von Corona …

Der Pandemie fielen alle Veranstaltungen, bei denen sich der interessierte Bürger hätte informieren können, zum Opfer.

Nun erfuhren wir aus der LZ am 27.06., dass der Kreis die Erlaubnis des Pumpversuchs über 118 000 Kubikmeter Tiefengrundwasser an Coca-Cola/Apollinaris bereits am 29.05.2020 erteilt hat. So konnten wir unser Informationsrecht nicht wahrnehmen und stellen uns die Frage: Wo bleibt die Transparenz?

Vor dem bekannten Hintergrund (Klimawandel, Rivalität um die kostbare Ressource Grundwasser, Entnahme von gut 5 Millionen Kubikmetern Grundwasser mehr als genehmigt zur Feldberegnung im Jahr 2019) möchte ich die Bewohner Mechtersens und des Kreidebergs aufrufen, sensibel auf Veränderungen durch den Pumpversuch (wenn er im Oktober 2020 beginnen sollte) zu achten und für Einwendungen gegen den Förderbetrieb zu dokumentieren.

In Mechtersen gibt es etliche Feuchtgebiete, auf die es zu achten gälte und im Bereich Kreideberg haben wir ein Senkungsgebiet, das den Anwohnern große Sorgen bereitet. „Hydraulische Fenster“ könnten dort Auswirkungen haben (LZ vom 27.06. „Es darf gepumpt werden“). Wie uns gesagt wurde: Die Auswirkunken (des Pumpversuchs) kann man erst im Realbetrieb beurteilen.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Wasser das neue Öl ist. Nur: für Öl können wir eventuell einen Ersatz finden, für kostbares Tiefengrundwasser nicht.

Cornelia Höllger

Stammt das Wasser aus dem Hahn von einem Lebensmittelunternehmer? Die Mineralwasserindustrie hätte das gern so Die deutsche Mineralwasserindustrie ist in Bayern juristisch gegen einen kommunalen Trinkwasserversorger vorgegangen, weil sie sich durch dessen Werbung benachteiligt sieht. Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat der Verband Deutscher Mineralbrunnen, der knapp 200 Unternehmen vertritt, nun jedoch eine Niederlage erlitten.

Die Abfüller hatten über ihren Verband versucht, 16 niederbayerischen Gemeinden die Eigenwerbung für ihr „gesundes“ Leitungswasser zu verbieten. Das OLG hob nun jedoch eine einstweilige Verfügung auf, die dem Wasserzweckverband Rottenburger Gruppe einen Artikel über „unser gesundes Wasser“ auf seiner Internetseite untersagt hatte. Die Münchner Richter sehen weder einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht noch gegen europäisches Recht.

Hinter dem Streit stehen die Geschäftsinteressen der Mineralwasserbranche. Ihrem Verband zufolge trank jeder Einwohner Deutschlands 2019 knapp 142 Liter Mineralwasser. Die Abfüller sehen sich fundamental benachteiligt, wenn Kommunen ihr Trinkwasser als gesund oder mineralstoffreich anpreisen dürfen, die Unternehmen jedoch nicht. „Das ist für die Mineralwasserindustrie existenziell wichtig“, sagte Klägeranwältin Imke Memmler in der mündlichen Verhandlung. Andere Wasserversorger hätten Abmahnungen akzeptiert.

Die EU-Verordnung zu Gesundheitsbehauptungen erlaubt Werbung mit dem Begriff „gesund“ nur, wenn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit das wissenschaftlich anerkannt hat. Damit will die EU irreführender Reklame mit angeblich gesunden Produkten einen Riegel vorschieben, wie sie ehedem gang und gäbe war.

„Warum soll ich dann noch Mineralwasser kaufen?“

Der Wasserzweckverband der ländlichen Kommune Rottenburg im Tal der Laaber könnte mit seinem Widerstand gegen die einstweilige Verfügung nun einen Sieg von bundesweiter Bedeutung für Kommunen erzielt haben. Denn der 29. Senat gab dem Leitungswasser-Anbieter Recht: Die Trinkwasserversorgung gehört zur Daseinsvorsorge, die Kommunen sind damit hoheitlich tätig, wie der Vorsitzende Richter Andreas Müller ausführte.

Wenn die Kommunen den gesetzlichen Auftrag zur Trinkwasserversorgung haben, „dann kann die Tätigkeit der öffentlichen Hand auch nicht durch das Wettbewerbsrecht überprüft werden“, sagte Müller.

Ohnehin geht es den 16 Gemeinden nach Einschätzung der Richter nicht um kommerzielle Interessen: „Es geht der Antragsgegnerin ersichtlich nicht darum, den Absatz ihres Trinkwassers zu steigern“, sagte Müller – die Antragsgegnerin ist der Wasserzweckverband. Und einen Verstoß gegen die EU-Verordnung sieht das OLG München ebenfalls nicht, weil der Artikel über das gesunde Wasser demnach keine Werbeaussage darstellt.

Die Mineralwasserbrunnen sehen sich jedoch sehr wohl im Wettbewerb mit den Kommunen. Die Verbraucher stellten sich die Frage: „Was trinke ich denn jetzt“, sagte die Anwältin des Mineralwasserverbands. „Warum soll ich dann noch Mineralwasser kaufen, wenn das Leitungswasser genau so gut ist?“

Auch kommunale Trinkwasserversorger seien Lebensmittelunternehmer, sagte die Anwältin. „Das ist eine kommerzielle Mitteilung eines Lebensmittelunternehmers“, sagte sie zu dem umstrittenen Artikel über „gesundes Wasser“ auf der Rottenburger Internetseite.

In der Entscheidung ging es um die einstweilige Verfügung, das Hauptsacheverfahren steht noch aus. Der Mineralwasserverband könnte auch noch vor ein Verwaltungsgericht ziehen.

Patrick Pleul/ DPA