Was Fakten sind, sollen Fakten bleiben:

Will Coca Cola die Grundwasserförderung verdoppeln?
CC hat bereits die wasserrechtliche Erlaubnis für die Entnahme von 350.000 m³ Grundwasser aus zwei Brunnen in Lüneburg. Im Antrag für den geplanten 3. Brunnen, S. 3, steht wörtlich:

„Als maximale Fördermengen werden im Rahmen eines Wasserrechtlichen Erlaubnisantrages gemäß §§ 8-10 WHG voraussichtlich beantragt: 85 m³/h, 12200 m³/Woche, 50.000 m³/Monat, 350.000 m³/Jahr.“ *

Aus der Formulierung lässt sich die Absicht einer Verdoppelung der bisherigen Menge herauslesen.

*„Antrag auf Errichtung des Förderbrunnens 3 auf dem Flurstück 47/2, Flur 1, Gemarkung Reppenstedt“, erstellt durch Hydrogeologie GbR, 26123 Oldenburg, 16.07.2019. (Gemäß NUIG für jeden einsehbar).

Entnimmt Coca Cola durch die bisherigen Brunnen 1 und 2 nur 1,6% der insgesamt im entsprechenden Grundwasserkörper genehmigten Entnahmemengen?
Die beiden Brunnen 1 und 2 werden von der Stadt Lüneburg als Unterer Wasserbehörde verwaltet und fördern zusammen bis zu 350.000 m³/Jahr. Im entsprechenden Grundwasserkörper „Ilmenau Lockergestein rechts“ betrugen die insgesamt genehmigten Entnahmemengen in 2019 für die Stadt Lüneburg 4.973.085 m³. *

Die Fördermenge der Brunnen 1 und 2 beträgt also 7% der insgesamt genehmigten Entnahmemenge im entsprechenden Grundwasserkörper. Mit dieser – von einem einzigen Konzern beanspruchten – Fördermenge können durchschnittlich 7800 Lüneburger*innen mit Trinkwasser versorgt werden.**

*Grundwasserbilanz 2019 Landkreis Lüneburg mit Hansestadt Lüneburg, erhalten durch: Bereich 31, Umwelt, Hansestadt Lüneburg                                                                                              
** Stat. Bundesamt: 123 l/Tag*Person

Fördert Coca Cola mehrere tausend Jahre altes, fossiles Grundwasser?
Unser Grundwasser wurde durch den Trinkwasserversorger Purena in den 1980iger Jahren mit der C 14 – Methode einer Altersbestimmung unterzogen. Ergebnis: Unser Wasserleiter ist mehrere tausend Jahre alt. In der Wissenschaft wird mit dem Ausdruck „fossiles Wasser“ ein seit der Prähistorie nicht mehr mit der Erdatmosphäre verbundenes Grundwasser bezeichnet. Dies ist auf der Erde sehr selten. Umgangssprachlich wird dieser Begriff allerdings auch für so reines und altes Wasser, wie das aus unserem Ilmenau Lockergestein, verwendet.

Wird das Wasser insgesamt knapp, wenn CC zusätzlich Wasser fördert?
Jede zusätzliche Entnahme verknappt das nutzbare Wasserdargebot.
Im entsprechenden, vom Landkreis verwalteten Grundwasserkörper „Ilmenau Lockergestein links“, aus dem Coca Cola das Wasser für den geplanten 3. Brunnen entnehmen möchte, beträgt die nutzbare Dargebotsreserve 5,45 Mio m³/Jahr. *

Die geplante Fördermenge von 350.000 m³/Jahr entspricht 6,4% der nutzbaren Dargebotsreserve (die dem gesamten Landkreis Lüneburg zugeteilt ist, in dem ca. 183.000 Menschen leben), beansprucht durch einen einzigen privaten Konzern.

Entsprechend weniger steht für Anpassungsmaßnahmen aufgrund des Klimawandels und zur Vorsorge bei der Trinkwasserversorgung zur Verfügung.

Die Präambel der Europäischen Wasserrechtsrichtlinie 2000/60/EG, die auch für Deutschland verbindlich ist, beginnt mit dem Satz:

„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“. **

Auch für die Verantwortlichen rufen wir diesen Satz an dieser Stelle in Erinnerung.

*Mengenmäßige Bewirtschaftung des Grundwassers, RdErl. d. MU v. 29. 5. 2015 – 23-62011/010 VORIS 28200 – Anlage 3
**https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex%3A32000L0060

Sollte man industriellen Nutzern Erlaubnisse zur Wasserentnahme für 25 Jahre erteilen?
Die wasserrechtlichen Erlaubnisse wurden bisher für einen längeren Zeitraum – i.d.R. für 25 Jahre – erteilt, weil die Verfahren bis zur Erlaubnis oder Bewilligung sich sogar für die Trinkwasserversorger über Jahre hinzogen und gerade diese eine Planungssicherheit anstrebten. Das war bis zur Jahrtausendwende auch plausibel, da der Klimawandel noch keine Auswirkungen auf den Wasserhaushalt gezeigt hatte. Heute aber ist es notwendig, die Erlaubnisse für alle industriellen und sonstigen Nutzer, die Grundwasser entnehmen wollen, den rasanten Klima-Veränderungen anzupassen – insbesondere der Grundwasserneubildung. Erlaubnis-Zeiträume von 5 bis max. 10 Jahren aufgrund jeweils aktueller Daten wären das Ziel und die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit der Wasserverwendung.

Werden mit dem Bau des Brunnens Tatsachen geschaffen?
Es werden Bohrungen bis in ca. 200 m Tiefe vorgenommen und eine sogenannte Brunnenstube mit einer Größe von ca. 6,6 m x 6,6 m bis in eine Tiefe von ca. 3 m in das Erdreich gebaut. Hinzu kommt ein Transformator-Haus. Insoweit wird der Bereich an der Landwehr in Vögelsen baulich verändert und damit Tatsachen geschaffen. Coca Cola investiert erhebliche Gelder schon für den Pumpversuch (bereits ein Meter Tiefenbohrung kostet 2.500 € bis 4.000 €) und geht selbstverständlich davon aus, eine Erlaubnis im beantragten Umfang zu erhalten. Wenn Firmen große Investitionen tätigen, entsteht ein gewisser Druck auf die Politik, deren Anträgen zu entsprechen.

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